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Porträt Reto Clalüna


Bericht von Peter Keller

«Ich wusste immer, was ich wollte»


SONNTAGSKOPF
Reto Clalüna aus Vordemwald hat sich mit 26 Jahren als Landschaftsgärtner selbständig gemacht. Auch wenn sein Arbeitstag nach 8 Stunden längst nicht zu Ende ist, schätzt er seinen Beruf über alles.

Lieber draussen als im Büro – Reto Clalüna wollte schon als Kindergärtler Gärtner werden.
FOTO: PETER KELLER

Der Familienname verrät «es» unweigerlich: Reto Clalünas Vorfahren sind keine Wiggertaler. «Mein Grossvater stammte aus Ardez im Unterengadin », sagt er. «In den 30er-Jahren ist er auf der Suche nach Arbeit ins Unterland gezogen und in der Region Zofingen hängen geblieben. Zuerst lebte seine Familie in Reiden, später dann in Aarburg, wo er eine Anstellung bei Franke gefunden hatte.» Aarburg wurde zur zweiten Heimat der Clalünas und auch Reto Clalüna verbrachte seine Jugend- und Schuljahre im Städtchen.

DIE BEHERRSCHUNG der romanischen Sprache aus der Heimatregion ging in der zweiten und dritten Generation der Engadiner Auswanderer verloren. «Ich bedauere es heute, dass ich kaum mehr romanisch spreche», sagt Reto Clalüna. Die Kontakte nach Ardez seien aber nie abgebrochen. «Ich habe immer noch Verwandte im Dorf, die ich gerne besuche. Im Winter gibts jeweils nur eines: Ab in die Unterengadiner Bergwelt. Vor allem im Herbst und Winter zeigt sich das Tal von seinen schönsten Seiten.

BEZÜGLICH DER BERUFSWAHL hat sich Reto Clalüna nie schlaflose Nächte bereiten lassen. «Ich habe schon im Kindergarten gewusst, dass ich einmal Gärtner werden will, denn ich arbeitete immer gerne draussen und mit Pflanzen – ich bin alles andere als ein Büromensch.» Zielstrebig liess er sich nach der Schulzeit zum Schnittblumen- und Topfpflanzengärtner ausbilden. Es folgte eine Zusatzlehre als Landschaftsgärtner. Am 1. Mai 1999 – er war damals 27 Jahre alt und seit zwei Jahren mit seiner aus Strengelbach stammenden Frau Irene verheiratet – wagte er den Sprung als Landschaftsgärtner in die berufliche Selbständigkeit.

«ICH HABE DEN EIGENEN BETRIEB von null auf aufgebaut», sagt er rückblickend. «Arbeit war von Anfang an immer genügend vorhanden, und ich habe das Betriebsinventar vorsichtig Schritt für Schritt ausgebaut.»

DER IN VORDEMWALD domizilierte Betrieb heisst inzwischen Clalüna Gartenbau GmbH. Eigenen Pflanzenund Blumenanbau betreibt Clalüna nicht. Er verfügt über ein Magazin mit einem umfangreichen Maschinenpark von der Fräse über den Mäher bis zum eingemieteten Kleinbagger. Tätigkeitsschwerpunkte sind der Gartenunterhalt, Umgestaltungen und Neuanlagen für Private und Firmen sowie der Friedhofunterhalt. Reto Clalüna pflegt auf Auftrag von privater Seite Gräber.

IN STRENGELBACH betreut er im Auftrag der Gemeinde den gesamten Friedhof inklusive Bestattungen, in Aarburg gehören Abdankungen und Bestattungen in sein Pflichtenheft und in Vordemwald der Grabunterhalt im Gemeindefriedhof. Reto Clalüna kann auf die Mitarbeit einer gelernten Landschaftsgärtnerin zählen, die sich in der Weiterbildung zur Obergärtnerin befindet. Seine Ehefrau hilft im Büro mit und ausserdem kann er seit Jahren auf eine zuverlässige Aushilfe zählen, wenn Auftragsspitzen zu bewältigen sind.

CLALÜNAS SIND EHER ZUFÄLLIG in Vordemwald gelandet. «Wir suchten nach der Heirat eine Wohnung in der Region und sind hier fündig geworden. » Inzwischen ist ihnen das Dorf ans Herz gewachsen und sie konnten an schöner Lage ein eignes Haus beziehen. Reto Clalüna macht aktiv in der Dorffeuerwehr mit. Die Familie schätzt das ruhige, ländliche Leben und die intakte Landschaft. «Man kann die Freizeit mit der Familie sofort geniessen, wenn man aus dem Haus tritt.»

DIE BEIDEN SÖHNE Andri (6) und Gian- Luca (8) besuchen den Kindergarten respektive die Primarschule. Die Namen haben die Eltern bewusst aus dem Fundus der ursprünglichen Herkunft der Vaterfamilie gewählt. «Zum Familiennamen Clalüna passt einfach kein Fritz oder Hans», sagt Reto Clalüna, «das darf durchaus noch etwas bündnerisch klingen, auch wenn wir inzwischen Unterländer geworden sind.» Zum Haushalt gehören zwei Chüngel, die sich tagsüber in einem weitläufigen Freilaufgehege im Garten austoben dürfen. Unbestrittener Star – vor allem bei den Kindern – ist aber die einjährige Maine-Coon-Katze Kaja, die sich im Moment noch fast alle Freiheiten im Haus nehmen darf.

IM GARTENBAU bietet Reto Clalüna seiner Kundschaft umfassende Dienstleistungen an. Gewünschte Pflanzen werden von dritter Seite beschafft, auf Wunsch wird auch ein Gartenteich gebaut und wenns ans Fällen und Schneiden von über die Firstbalken hochgeschossenen Bäumen geht, zieht er eine diplomierte Baumpflegefirma bei. «Das Entfernen von Bäumen in Wohnquartieren ist manchmal eine heikle Angelegenheit, da die Platzverhältnisse eng sein können; aber glücklicherweise ist bis jetzt nie ein Vorfall passiert, bei dem etwas beschädigt worden ist.»

KUNDENTREND bei den Gartenanlagen ist im Moment immer noch das südländische bis exotische Ambiente. «Es werden viele Palmen und Bambuspflanzen gewünscht, kombiniert etwa mit passenden Wasserspendern. » Im Trend lägen auch Stauden- und Gehölzrabatten, die weniger unterhaltsintensiv seien. Wichtigstes Anliegen der privaten Kundschaft sei immer noch, dass über die ganze Vegetationsperiode blühende Pflanzen im Garten zu sehen seien. «Im Frühling sind Frühblüher gefragt, denn die Menschen sehnen sich nach den düsteren Wintermonaten nach frischen, fröhlichen Farben. Aber auch im weiteren Jahresverlauf soll die Bepflanzung immer wieder neue farbliche Akzente setzen. Im Herbst kann man dann zusätzlich mit Gewächsen arbeiten, die prächtige Laubfarben entwickeln.»

«WECHSELFLORRABATTEN mit saisonal sich ändernder Blumenpracht leisten sich hauptsächlich noch Gemeinden und einzelne Firmen, die besonderen Wert auf eine farbige Visitenkarte legen», sagt Clalüna. Als Klassiker, der allen Modetrends widersteht, hat sich die Rosenrabatte erwiesen: «Sie erfreut sich überall grosser Wertschätzung.» Die in den letzten Jahren vermehrt sichtbar gewordenen Natursteinrabatten haben sich einen festen und konstanten Anteil im Gartenbau erobert. «Ihr Vorteil ist, dass sie kaum mehr Unterhalt benötigen», sagt Reto Clalüna. Die Vielfalt an zur Verfügung stehenden Steinen lasse zu, dass wirklich schöne Anlagen errichtet werden könnten. «An gewissen Stellen haben diese Rabatten sicher ihre Berechtigung, aber man sollte sie nicht überall aus Unterhaltsüberlegungen installieren, denn ein Garten sollte nicht nur aus Steinen bestehen – echtes Leben bekommt er nur mit Pflanzen.»