Porträt Theres Bühler
Bericht von VON EMILIANA GUTZWILLER
«Blumen sind meine Kraftquelle»
SONNTAGSKOPF
Therese Bühler ist von Flora und Fauna beruflich wie auch als Hobbymalerin fasziniert. Begeistert arbeitet sie als Floristin in ihrem Blumengeschäft Viola sowie der Gärtnerei in Rothrist.
Therese Bühler lässt als Floristin gerne Blumen sprechen.
FOTO: EMILIANAGUTZWILLER
Callas, Rosen, Tulpen, Margeriten, Gerbera – gekonnt wählt Therese Bühler aus der duftenden Pracht die passenden Blumen und bindet diese zu einem bunten Frühlingsstrauss. «Blumen sind meine Kraftquelle», sagt die 54-jährige selbstständige Floristin. Schon als Kind liebte es die Rothristerin, in Wiesen und Feldern stundenlang rumzustreifen. Beim Betrachten und Pflücken der Blumen vergass sie oft die Zeit. «An den selbst gepflückten Sträusschen konnte sich meine Mutter damals nicht so richtig freuen. Heute ist dies anders. » Regelmässig besucht sie ihre Mutter, die vor fünf Jahren in eine Alterswohnung in Rothrist gezogen ist. Den Gebäudekomplex im Luegenacher sieht Therese Bühler von ihrem Haus am Hügel vis-à-vis der reformierten Kirche. «Wir könnten einander zuwinken», sagt Therese Bühler, während sie auf einem ihrer Lieblingsplätze, der Terrasse, steht.
DAS AN DEN WALD GRENZENDE ehemalige Bauernhaus und den dazugehörenden Gärtnereibetrieb kennt Therese Bühler seit ihrer Kindheit. Ein paar hundert Meter weiter unten, am Kirchweg, ist sie mit einem Bruder und einer Schwester im elterlichen Haus aufgewachsen. «Als Kind habe ich der Nachbarsfamilie Bühler oft ihren Hund wieder nach Hause gebracht», sagt sie und erzählt, dass sie sich dabei ab und zu mit ihrer künftigen Schwiegermutter unterhalten habe. «Meinen Mann Werner habe ich aber erst in der Abschlussklasse bei einer Theaterprobe kennengelernt. »
VERLIEBT HABEN SIE SICH ABER ERST etwas später, als sich ihre Wege wiederum in Rothrist kreuzten. Im Betrieb seines Onkels erlernte Werner Bühler den Beruf des Gärtners. «Für mich war seit jeher klar, dass mein Beruf mit Blumen und Pflanzen zu tun haben muss», erinnert sich Therese Bühler, die im selben Betrieb in den Beruf der Gärtnerin reinschnupperte. «Zu gestalten und zu dekorieren bereitet mir grosse Freude», so die kreative Frau, die vor der Floristinnenlehre ein Haushaltslehrjahr absolvierte. Das Spiel mit Farben und Formen lebt sie nicht nur in ihrer täglichen Arbeit aus, sondern auch in der Freizeit beim Aquarellieren. «Leider habe ich zum Malen viel zu selten Zeit», bedauert die Geschäftsfrau. Seit 1981 führt sie unten im Dorf an der Bernstrasse ihr Blumenhaus Viola, welches sie nach ihrer Lieblingsblume, dem Veilchen, benannt hat. «Es ist eine zarte, liebliche und sehr wohlriechende Pflanze», schwärmt sie und führt ins Wohnzimmer.
WOHIN DAS AUGE BLICKT, entdeckt es Veilchen. Diese zieren vor allem altes Porzellangeschirr, aber auch antike Postkarten und vieles andere. «Mein Mann ist der Sammler. Er stöbert leidenschaftlich gerne an Antiquitätenmärkten. » Gekonnt werden dann die Raritäten von Therese Bühler arrangiert. Die naturverbundene Frau zieht es aber an diesem sonnigen Tag gleich wieder nach draussen in den Garten und die Gärtnerei, die in dritter Generation vom Ehepaar Bühler geführt wird. Auf einem beschaulichen Rundgang führt Therese Bühler durch die prächtig spriessende und blühende Anlage. «Unser älterer Sohn André hat Gärtner gelernt. Schon seit einiger Zeit arbeitet er im Betrieb mit und wird diesen später übernehmen», sagt die 54- Jährige und erzählt auch vom jüngeren Sohn Thomas, der als Sanitärinstallateur tätig ist. Sie sei ein absoluter Familienmensch, gesteht sie. «Ohne gegenseitige Hilfe geht es nicht. Vor allem nicht in einem Familienbetrieb.» Schon früh habe sie ihre Mutter tatkräftig unterstützt, da ihr Vater schwer erkrankt war.
«ANZUPACKEN BIN ICH GEWOHNT», sagt Therese Bühler, die einige Zeit ihre Schwiegereltern und auch ihre Schwägerin gepflegt hat. «So konnte ich diesen lieben Menschen etwas zurückgeben. Vor allem die Schwiegereltern haben meinen Mann und mich nicht nur im Betrieb immer tatkräftig unterstützt. » Einen längeren Moment verharrt sie in nachdenklicher Stille, aus der sie unvermittelt Cockerspaniel Joya reisst. Nach ein paar Streicheleinheiten ist der sieben Monate alte Welpe zufrieden und kaut an seinem Holzstecken weiter.
«Wir haben hier fast einen kleinen Zoo», sagt sie. So geniessen neben dem Hund drei Esel, eine 17-jährige Katze sowie ein paar Wellen- und Nymphensittiche ihr Tierleben bei Bühlers. Gehegt und gepflegt wollen auch die Bäume, Sträucher, Pflanzen und Blumen sein. Vor allem in den heissen Monaten heisst dies, sieben Tage in der Woche wässern und beschatten. «An den Wochenenden wechseln wir uns mit dem Sohn ab.» Viel Zeit zum Zurücklehnen bleibt der leidenschaftlichen Floristin, Geschäfts- und Familienfrau nicht. In der Gärtnerei wie im Blumengeschäft müsse man der Zeit voraus sein und stets die nächste Saison im Kopf haben. So geniesst sie es umso mehr, wenn sie an einem Sonntag ihren Garten und die Ruhe geniessen kann. Oder wenn sie im September mit ihrem Mann für zwei bis drei Wochen ferne Länder erkundet. Immer wieder aufs Neue freut sie sich, wenn sie von ihrem Mann überrascht wird. «Was auch immer bei uns blüht, die erste Blüte schenkt er mir – und dies schon seit Jahren», verrät sie mit einem strahlenden Lächeln.
WÜNSCHE HABE SIE KEINE GROSSEN, ausser etwas mehr Zeit zum Malen. «Ich bin wirklich sehr zufrieden und dankbar », sagt sie und fährt fort: «Die Natur mit ihren wunderbaren Gaben erfreut mich jeden Tag. Gerne gebe ich diese Freude mit Blumen weiter. Sie tun der Seele gut, inspirieren und stellen einfach auf.»




